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Zur südhessischen Jugendmeisterschaft ein Bericht aus Sicht einer Teilnehmerin.

Von Lisa Naomi Michels

 

Wir holen uns den Pokal

 

Relativ unvorbereitet traf uns, alle Köche im 3. Ausbildungsjahr, kurz vor Weihnachten ein Theorietest in der Schule, der uns mit Fragen rund um unseren Ausbildungsberuf konfrontierte.

Die besten 6 Schüler, darunter Dennis Lomio und ich, qualifizierten sich für die Teilnahme zum Vorentscheid des Achenbacher Bundesjugendwettbewerbes.

Am 16. Januar war es dann soweit. Wir trafen uns in der Schule und bekamen unseren Warenkorb für den heutigen Wettbewerbstag gezeigt. Wolfsbarsch, Lachs, Ente, Blattsalate, Kartoffeln, Rosenkohl, Äpfel und Birnen waren die Hauptkomponenten, die jeder in einem selbst zusammengestellten 3-Gang-Menü verwenden musste. Eine Stunde Zeit hatten wir, um das Menü und die dazugehörige Warenanforderung, sowie einen passenden Arbeitsablaufplan zu schreiben. Im Anschluss ging es dann endlich an den Herd, natürlich in kompletter Kochmontur.

Unter Beobachtung von fünf Prüfern des Vereins der Köche Starkenburg brach die erste Hektik in der Küche aus: Aufbau des Arbeitsplatzes, Mise en Place bereitstellen, Hygiene und Kühlketten beachten. Dann standen wir vor der ersten Herausforderung: Jeder von uns hatte eine komplette Ente auszulösen. Trotz gelegentlicher Übung im vorweihnachtlichen Bankettgeschäft war das gar nicht so leicht, vor allem wenn man permanent beobachtet, gefilmt und fotografiert wird!

Insgesamt 3,5 Stunden Zeit hatten wir, um unsere Menüs zuzubereiten und anzurichten. Zwischendurch ging es zur sog. Warenerkennung in einen Nebenraum, in dem 10 verschiedene Produkte aufgebaut waren, die es zu benennen galt. Darunter befanden sich bspw. getrocknete Cranberries, frischer Salbei, Fenchelsamen und ein Austernöffner.

Die Zeit sollte definitiv unser schärfster Gegner an diesem Vormittag sein. Doch auch die Konkurrenz schlief nicht…Mehrmals waren plötzlich, wie durch Geisterhand, meine Herdplatten auf Null gedreht und irgendwann stellte ich fest, dass die Ofentür des Konvektomaten, in dem meine Ente versuchte, ihren perfekten Garpunkt zu erlangen, offen stand.

Trotz einiger Pannen versuchte ich so gelassen wie möglich, meinen ersten Gang anzurichten: Pochierte Roulade von Wolfsbarsch und Lachs an bunten Blattsalaten und Traubenvinaigrette.

Dann ging es weiter mit den letzten Handgriffen für den Hauptgang. Sauce abschmecken, Teller vorwärmen, Ente unter dem Salamander zum Knuspern bringen… Dann war es soweit, auch der Hauptgang musste serviert werden. Schnell überlegen, wie ich alles sauber und schön auf den Tellern anrichten kann. Erst die dunkle Biersauce auf den Teller ziehen, Ragout von der Entenkeule dazu, Rosenkohl mit Speck und Zwiebeln daneben drapieren, Tranchen von der rosa gebratenen Entenbrust anlegen, zum Schluss die goldgelben Herzoginkartoffeln dazusetzen, fertig!

Jetzt heißt es einmal kurz durchatmen, Arbeitsplatz aufräumen und den letzten Gang fertigstellen.

Törtchen von weißer Schokoladenmousse, Biskuit und Apfel-Birnen-Chutney. Der Biskuit hat eine tolle, luftige Konsistenz, dafür ist die Mousse nicht festgeworden…Aber keine Zeit mehr für große Korrekturen. Ich muss hoffen, dass die Jury vom Geschmack überzeugt ist! Schnell steche ich den Biskuit in runden Formen aus, gebe die Mousse, die eher einer Vanillesauce gleicht, darauf, und schließe mit dem Apfel-Birnen-Chutney, das einen herrlich karamelligen Geschmack mit feinen Noten nach Orangenschale, Zimt, Nelke und Sternanis hat. Endlich können wir die letzten Teller schicken und wir alle sind erleichtert, dass wir es trotz aller Hektik und Herausforderung geschafft haben. Bis zur Verkündung des Siegers haben wir Zeit, uns dem Chaos an unseren Arbeitsplätzen zu widmen. Glücklicherweise hatten wir an diesem Tag Unterstützung von Schülern aus anderen Klassen, die uns beim Spülen und Aufräumen halfen. Eine halbe Stunde später sah die Küche aus wie neu und die Jury rief uns zur Siegerehrung.

Zunächst wurde ein langjähriges Mitglied des Vereins der Köche Starkenburg geehrt, dann folgte die Verkündung der Platzierungen unseres Wettbewerbes durch den Vereinsvorsitzenden Uwe Horlitz. Unsere Mitschüler und Konkurrenten aus den Betrieben Merck, NH Hotel und der Gaststätte zum Talblick teilten sich den 3. und 4. Platz. Dennis und ich belegten die ersten beiden Plätze und hielten den großen, goldenen Pokal in den Händen. Außerdem bekamen wir Urkunden, Wein und Kochbücher, sowie die kostenlose Teilnahme am Jahresessen des Vereins als Dankeschön und Siegergeschenk. So endete ein spannender und sehr lehrreicher Tag und ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die Möglichkeit, an solch einem Event teilnehmen zu können!    

 

 

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